Das CBPT-Standardprotokoll
Ein strukturiertes, replizierbares Protokoll — ein definierter Weg für jede Schwierigkeit.
Was die kognitive Verhaltensspieltherapie ist
Die kognitive Verhaltensspieltherapie (CBPT) ist ein entwicklungssensibler Ansatz, der die Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie mit der natürlichen Sprache der Kinder verbindet: dem Spiel. Durch Spiel, Geschichten, Zeichnungen, Rollenspiel und symbolisches Spiel lernen Kinder, Emotionen zu erkennen, die Zusammenhänge zwischen Situationen, Gedanken, Gefühlen und Verhalten zu verstehen und neue Bewältigungsfähigkeiten auf sichere und ansprechende Weise zu üben.
CBPT ist strukturiert und zielorientiert, bleibt aber flexibel und kindzentriert. Die therapierende Person nutzt Spielmaterialien nicht nur, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, sondern auch, um die Schwierigkeiten des Kindes zu erkunden, gemeinsam eine geteilte Fallformulierung zu erarbeiten und neue Denk- und Verhaltensweisen einzuüben. Eltern und Bezugspersonen werden in der Regel als Partner einbezogen und unterstützen die Generalisierung der Fähigkeiten über Zuhause, Schule und Gleichaltrigenkontexte hinweg.

Die Begründung für ein standardisiertes Protokoll
Ein definiertes Protokoll macht aus klinischer Intuition eine Methode, die gelernt, gelehrt und repliziert werden kann. Es gibt der therapierenden Person eine klare Abfolge — von der Diagnostik bis zur Rückfallprävention —, während es die Flexibilität bewahrt, die jedes Kind braucht.
Da dieselbe Struktur auf sehr unterschiedliche Bilder anwendbar ist — von Angst und Zwangsstörung über ADHS, Depression, Wut, oppositionelles Verhalten, selektiven Mutismus, Phobien bis zu Ausscheidungsstörungen — bietet das Protokoll einen einzigen, kohärenten Weg, der seine Inhalte an jede Schwierigkeit anpasst, ohne sein evidenzbasiertes Rückgrat zu verlieren.
So funktioniert das CBPT-Standardprotokoll
Fünf aufeinanderfolgende Schritte, die jeden Therapieverlauf strukturieren.
Diagnostik, Beziehungsaufbau und Fallformulierung
Die therapierende Person sammelt Informationen über die Schwierigkeiten und den Kontext des Kindes und entwickelt ein gemeinsames Verständnis des Problems.
- Klinische Einschätzung und Spielbeobachtung: Beginn, Häufigkeit, Intensität und Auswirkung der Symptome sowie die Spielthemen, der Interaktionsstil und die Regulationsfähigkeiten des Kindes.
- Gespräche mit Eltern und Bezugspersonen: Entwicklungsgeschichte, Familienmuster, Erziehungspraktiken und aktuelle Bewältigungsstrategien. Schulinformationen werden einbezogen, wenn relevant.
- Kindgerechte Fallformulierung: mithilfe von Zeichnungen, Handpuppen, Karten oder Geschichten wird modelliert, wie Situationen, Gedanken, Emotionen, Körperempfindungen und Verhalten einander beeinflussen.
- Zielsetzung: klare, beobachtbare Ziele, gemeinsam mit der Familie definiert (weniger Wutausbrüche, mehr Teilhabe, weniger Vermeidung, bessere Routinen).
Psychoedukation und emotionale Kompetenz
Kind und Familie dabei unterstützen, das Vorstellungsanliegen zu verstehen und die Grundsprache der Emotionen und der KVT zu erlernen.
- Normalisieren und Externalisieren: Schwierigkeiten werden als verständlich und veränderbar dargestellt, oft mithilfe von Metaphern (“Sorgenmonster,” “Wutvulkan,” “bestimmerische Gedanken”), um Scham und Schuld zu verringern.
- Emotionswortschatz: durch Spiel und Geschichten lernen Kinder, Emotionen zu unterscheiden, Intensitätsstufen zu erkennen und Gefühle mit Ereignissen zu verknüpfen.
- Das KVT-Modell verstehen: auf spielerische Weise zeigt die therapierende Person, wie Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen und Verhalten zusammenhängen, und bereitet so den Boden für spätere Interventionen.
Kompetenzaufbau durch Spiel
CBPT nutzt das Spiel, um spezifische kognitive und behaviorale Fähigkeiten zu vermitteln und zu üben, die auf jede Störung zugeschnitten sind.
- Kognitive Fähigkeiten: unhilfreiche Gedanken bemerken, überprüfen und flexible Alternativen entwickeln, über Comicstrips, Gedankenblasen-Spiele und Puppendialoge.
- Behaviorale und Regulationsfähigkeiten: Atemspiele, Entspannung, positive Selbstgespräche, Problemlöseschritte und Kommunikationsfähigkeiten, geübt in Spielszenarien.
- Exposition und Verhaltensexperimente: bei Angst, Zwangsstörung, Phobien oder Mutismus lässt abgestufte, spielbasierte Exposition das Kind gefürchtete Situationen bewältigen, während es neue Bewältigungsstrategien nutzt.
- Verstärkung und Stärken: Fortschritt wird durch Tokensysteme, Belohnungsspiele und die ausdrückliche Anerkennung der Stärken und Bemühungen des Kindes unterstützt.
Elternarbeit, Umfeld und Generalisierung
Die Elternbeteiligung ist in der CBPT zentral, besonders bei behavioralen und angstbezogenen Störungen.
- Elternberatung: die Fallformulierung und Fähigkeiten teilen, Eltern zu konsistenterem Reagieren verhelfen und Muster ansprechen, die Schwierigkeiten aufrechterhalten (Überbehütung, harte Disziplin, Nachgeben gegenüber Ritualen).
- Pläne für Zuhause und Schule: in der Sitzung erlernte Fähigkeiten werden in einfache wöchentliche “Missionen” und Routinen übersetzt, bei Bedarf unter Einbezug der Lehrkräfte.
- Veränderung beobachten: Tabellen, Protokolle oder einfache Skalen, um Verhalten, Emotionen und den Einsatz neuer Strategien zu verfolgen.
Festigung und Rückfallprävention
Der letzte Schritt stabilisiert die Fortschritte und bereitet Kind und Familie auf künftige Herausforderungen vor.
- Rückblick auf Ziele und Fortschritt: die Ausgangssituation wird mit der aktuellen verglichen, wobei Veränderungen und hilfreiche Strategien hervorgehoben werden.
- Geschichten zur Rückfallprävention: Geschichten, Spiele oder “Zukunftsfilme” erstellen, die zeigen, wie das Kind künftige Schwierigkeiten mit seinen CBPT-Werkzeugen bewältigen kann.
- Abschluss und Übergang: ein bedeutungsvolles Ritual (Zertifikat, “CBPT-Werkzeugkasten,” oder Fähigkeiten-Heft), das bekräftigt, dass Schwierigkeiten wiederkehren können, das Kind nun aber Ressourcen hat, ihnen zu begegnen.
Dieselbe evidenzbasierte Struktur, von der Diagnostik bis zur Rückfallprävention — an jedes Kind angepasst, von jeder therapierenden Person replizierbar.
Ein Protokoll, angewandt auf spezifische Störungen im Kindesalter
Das Protokoll behält seine fünf Schritte bei und passt die Inhalte an jedes Bild an: ADHS (Selbstregulation, Planung, Frustrationstoleranz), kindliche Depression (Verhaltensaktivierung, Umstrukturierung negativer Selbstüberzeugungen), Wut und Reizbarkeit (Auslöserbewusstsein, alternative Reaktionen), Ausscheidungsstörungen (Scham und Angst reduzieren, begleitend zur medizinischen Versorgung), generalisierte Angst (Sorgen externalisieren, Unsicherheit tolerieren), Zwangsstörung (spielbasierte Exposition mit Reaktionsverhinderung), Störung mit oppositionellem Trotzverhalten (Emotionsregulation, Problemlösen, Elterntraining), selektiver Mutismus (abgestufte, sichere Schritte zur verbalen Kommunikation) und spezifische Phobie (spielerische, abgestufte Exposition mit Bewältigungsfähigkeiten).
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